Erfahrungsbericht: Joseph Waldstein-Wartenberg

Jun 06, 2011
moritz.middelhoff

“Sehr geehrter Herr Waldstein-Wartenberg,

ich muss Ihnen mitzuteilen, dass bisher von Ihnen per Post nur das Antragsformular und die Buchung des Fluges eingegangen sind. Es fehlen also beispielsweise der Reisepass, die Photos, der frankierte Rückumschlag sowie ein Einladungsschreiben mit der Beschreibung Ihrer Tätigkeit in Äthiopien.

Mit freundlichen Grüßen,

xy”

So das Mail des Äthiopischen Generalkonsulats zum Stand meiner Visumsbeantragung in Frankfurt am Main, kurz vor meiner Abreise nach Addis Ababa. Am folgenden Tag trafen dann auch die restlichen Dokumente ein. Eines Visums war ich mir also sicher.  Aber schon stellte sich mir die nächste Herausforderung, mein Flug von Wien nach Addis über Kairo wurde nach hinten verschoben. Grund dafür war die Revolution des ägyptischen Volkes gegen die Regierung von Langzeitpräsident Mubarak. Einen Tag nach seiner Machtübergabe war mir aber der Weg frei und ich konnte mich mit großer Vorfreude nach Äthiopien aufmachen. Wie die meisten anderen PROJECT-E Mitarbeiter vor mir auch, bin auch ich mitten in der Nacht in Addis gelandet. Liebenswerterweise wurde ich dort von Susann Bollmann (einer weiterer PROJECT-E Consultant) in Empfang genommen und gleich in mein neues Zuhause gebracht. Umso spannender war es am nächsten Morgen die Stadt im Tageslicht zu sehen auch weil es mein erster Aufenthalt in Ostafrika war.

Addis Ababa – Neue Blume

Neue Blume, so heisst die Stadt auf Amharisch, die Hauptsprache der Äthiopier neben Oromo. Die Stadt liegt zwischen 2200 und 3000 Metern Seehöhe, erstreckt sich auf rund 530 km² und wird von rund 3,5 Millionen Menschen bewohnt.

In meiner Zeit sind mir drei Besonderheiten der Stadt aufgefallen. Zum einen der Verkehr. Dieser erstreckt sich über alle Teile der Stadt und wird hauptsächlich von öffentlichen Transportmitteln dominiert. Kleine wie große Busse, Sammeltaxis wie auch normale wimmeln sich durch die Strassen von Addis. Dementsprechend auch die Luft, jedoch eine Erfahrung, die man gemacht haben muss. Auffallend sind auch die Nummerntafeln, die ich mir bei einer Fahrt in einem Taxi erklären ließ. Orange das sind die NGOs, Blau  sind private PKWs, Schwarz, ganz wichtig denn hier handelt es sich um Regierungsbeamte und soweit ich weiß die Polizei selbst. Natürlich gibt es viele Farben mehr. Äthiopien liebt die Bürokratie.

Zum zweiten ist mir die Sicherheitslage der Hauptstadt aufgefallen. Man fühlt sich grundsätzlich sehr sicher und macht sich keine Sorgen über Raubüberfälle oder dergleichen. Klar, Taschendiebstahl passiert, aber wo nicht? Auch bei Nacht kann man sich am besten in Gruppen auf den größeren Strassen der Stadt aufhalten und kommt gut nach Hause. Diese allgemeine Sicherheit ist sicher auch darauf zurückzuführen, dass hier arme wie reiche Menschen Haus an Haus leben. Zwar gibt es ärmere Vierteln, doch die befinden sich sehr verteilt auf die ganze Stadt. Zudem befinden sich viele vom Land zugewanderte Familien in Addis. Oft sind das Bauernfamilie, die eine ländlichere und friedliche Lebensart mitgebracht haben, welche zur allgemeinen Sicherheit der Hauptstadt beiträgt.

Schließlich fällt einem die Freundlichkeit und Eigenwilligkeit der Äthiopier auf. Ob auf der Strasse, in staatlichen Behörden, oder im Supermarkt, Äthiopier sind hilfsbereit und interessiert. Zudem sind sie insgesamt sehr eigen. Wahrscheinlich weil das Land niemals kolonialisiert wurde. So konnten die Äthiopier ihre eigene Sprache, Kultur, Mentalität wie auch Aussehen bewahren. Auch wenn man sich nur kurz in Addis aufhält, merkt man, dass die Äthiopier aus diesem Grund ungemein stolz sind. Und mit Recht, denn Äthiopien ist eines der schönsten und vielfältigsten Ländern in denen ich gewesen bin.

Im vollen Einsatz für das College

Meine Aufgaben am College waren äußerst vielfältig. Hauptaufgabe war es das so genannte Professional Development Programme (PDP) weiter voran zu treiben. Ziel des PDP ist es die Kosten, die der Schulbetrieb verursacht mit Einahmen, die in Äthiopien gewonnen werden, zu decken. Damit soll in der Zukunft sichergestellt werden, dass das College in Äthiopien selbst finanziert werden soll und die Abhängigkeit von europäischen Spendengeldern verringert wird. Das PDP bietet Fortbildungskurse für äthiopische und internationale Angestellte an. Diese Kurse werden von den Lehrern des College angeboten und zielen einerseits darauf ab die Businessenglischkenntnisse und andererseits die IT-Kenntnisse der Teilnehmer zu verbessern.

Schon gegen Ende 2010 wurden Probeinheiten mit einigen namhaften Unternehmen in Addis Abeba durchgeführt. Diese wurden kostenlos und für eine begrenzte Anzahl von Stunden angeboten. Daraufhin zeigte vor allem Äthiopiens größte Privatbank, die Dashen Bank (benannt nach dem größten Berg in Äthiopiens) großes Interesse an einer Kooperation.

In Folge kam es zu einer Vereinbarung zwischen dem College und der Dashen Bank mit der Zusage, dass die Bank rund 30 Angestellt in PDP Kurse schicken wird. Dieser Erfolg ist vor allem der guten Zusammenarbeit zwischen den PROJECT-E Consultants vor Ort wie aber auch dem PDP Koordinator Mr. Masresha zu verdanken. Mit einer überzeugenden Präsentation und den richtigen Argumenten konnten wir den HR-Manager der Bank für uns gewinnen. An weitern Firmenakquisitionen wird gearbeitet. Das PDP soll eine große finanzielle Säule in Äthiopien werden. Zur gleichen Zeit hat PROJECT-E in Europa große Fundraisingziele, um den Übergang gut und nachhaltig zu meistern. Oberste Priorität ist es Dauerspender zu finden. So ist es Sponsoren des Projekts möglich Patenschaften zu übernehmen. PROJECT-E bittet entweder Studentinnenpatenschaften oder Projektpatenschaften an. Mit ersterem werden die Studentinnen des Colleges direkt unterstützt. Man kann sich hier entscheiden die Gehälter der Lehrer, die Verpflegung oder ein Taschengeld zu spenden. Mit einer Projektpatenschaften hingegen entschließt man sich die College-Infrastruktur zu fördern. In Äthiopien war es deshalb auch eine meiner Aufgabe Interviews mit den Mädchen durchzuführen, um in Zukunft den Spendern in Deutschland und Österreich direkt und transparent die Mittelverwendung darzulegen.

Zurück in Europa

Nach meiner Rückkehr aus Äthiopien habe ich mich entschlossen mich dem Fundraising Team von PROEJECT-E anzuschließen. Dabei habe ich mich vor allem auf die Umsetzung des Patenschaftsprogramms konzentriert. Diese Arbeit macht vor allem Spaß, weil man einerseits intern mit vielen anderen Studenten zusammenarbeitet und extern überzeugend und professionell auftreten muss. Dieses Jahr haben wir uns hohe Ziele gesetzt, die wir hoffentlich auch erreichen werden. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass wir unsere Ziele im Team meistern werden.

Sowohl in Äthiopien als auch in Europa gestaltet sich die Arbeit für PROJECT-E extreme spannend. Diese Erfahrungen will ich nicht missen und lege sie jedem ans Herz. Es lohnt sich!

One comment on “Erfahrungsbericht: Joseph Waldstein-Wartenberg”

  • Denise Levy says

    Project-E is an ambitious and worthwhile undertaking. I hope you reach your fund raising goals. This is a plus project for Ethiopia and the young women who benefit. Good luck. DJ Levy

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